Stress und Entspannung

Burnout erkennen: Symptome, Phasen und Hilfe

Burnout erkennen: Definition der WHO, typische Symptome und Phasen, was Prävention leisten kann und wann ärztliche Hilfe nötig ist. Mit Anlaufstellen.

Von Stefan Geisse8 Min. LesezeitAktualisiert 31.10.2026
Kerzen, Blumen und beschriftete Karten auf dem Boden bei einem Workshop zur Stressbewältigung

Burnout ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein Syndrom, das durch chronischen Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Typisch sind drei Merkmale: tiefe Erschöpfung, eine wachsende innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und das Gefühl, beruflich weniger zu leisten. Burnout entwickelt sich schleichend, oft über Monate oder Jahre, und zeigt ähnliche Symptome wie eine Erschöpfungsdepression. Wer mehrere dieser Anzeichen bei sich bemerkt, sollte früh ärztlichen Rat einholen.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung und Behandlung. Bei Burnout gehört die Behandlung zu Ärztin, Arzt oder Psychotherapeutin. Eine Auszeit kann ergänzen oder vorbeugen, aber sie ersetzt keine Therapie. Anlaufstellen findest du weiter unten. Stand: Oktober 2026.

Was ist Burnout?

Psychische Belastungen gehören heute zu den wichtigsten Gründen für Arbeitsausfälle. Entsprechend viel Aufmerksamkeit bekommt das Burnout-Syndrom. Früher als „Modeerkrankung“ belächelt, beschreibt Burnout einen Zustand umfassender körperlicher und seelischer Erschöpfung, aus dem Betroffene aus eigener Kraft kaum mehr herausfinden. Erholung wirkt nicht mehr wie früher: Auch nach einem freien Wochenende oder den Ferien ist die Energie schnell wieder weg.

Offizielle Definition von Burnout (WHO, ICD-11)

In der älteren Klassifikation ICD-10 der WHO gab es keine eigene Diagnose für Burnout. Es wurde unter Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ erfasst.

In der ICD-11, die seit 2022 gilt, ist Burnout unter dem Code QD85 genauer beschrieben, aber weiterhin nicht als Krankheit oder psychische Störung eingestuft. Es steht im Kapitel der Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen. Laut der Definition der WHO (ICD-11) ist Burnout ein Syndrom als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wurde. Es zeigt sich in drei Dimensionen:

  • Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung
  • zunehmende geistige Distanz zur eigenen Arbeit oder negative, zynische Gefühle gegenüber dem Job
  • verringerte berufliche Leistungsfähigkeit

Die WHO verwendet den Begriff ausdrücklich nur für den beruflichen Zusammenhang. Menschen können aber auch in anderen Lebensbereichen „ausbrennen“, zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen oder in der Familienarbeit. Die Beschwerden sind dann nicht weniger ernst.

Burnout und Depression: Überschneidung und Abgrenzung

Nicht jeder Mensch mit Burnout hat auch eine Depression, aber häufig überschneiden sich die Beschwerden. Erschöpfung, Schlafstörungen und der Verlust von Interesse und Freude können Anzeichen für beides sein. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung so wichtig: Eine Depression ist eine Erkrankung, die sich behandeln lässt, und sie braucht eine andere Unterstützung als eine reine Überlastung.

Wie verbreitet ist Erschöpfung in der Schweiz?

Genaue Zahlen zur Verbreitung von Burnout gibt es nicht, weil es keine eigenständige Diagnose ist. Gut erfasst ist aber die Erschöpfung im Job. Laut dem Job-Stress-Index 2022 von Gesundheitsförderung Schweiz waren 30,3 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz emotional erschöpft, so viele wie noch nie seit Beginn der Messung 2014. 28,2 Prozent hatten am Arbeitsplatz mehr Belastungen als Ressourcen. Die Studie schätzt das wirtschaftliche Potenzial, das durch arbeitsbedingten Stress verloren geht, auf rund 6,5 Milliarden Franken pro Jahr.

Gründe für Burnout

Burnout hat selten nur eine Ursache. Als wichtige Risikofaktoren am Arbeitsplatz gelten:

  • dauerhaft hohe Arbeitsmenge und Zeitdruck
  • wenig Handlungsspielraum und Mitsprache
  • fehlende Anerkennung und Wertschätzung
  • Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten, wenig Unterstützung
  • unklare Rollen und widersprüchliche Erwartungen
  • ein Widerspruch zwischen den eigenen Werten und dem, was die Arbeit verlangt

Hinzu kommen persönliche Muster, die das Risiko erhöhen können: Perfektionismus, eine ausgeprägte Helfer-Haltung, Schwierigkeiten beim Delegieren und Neinsagen, sehr hohe Ideale und die Neigung, eigene Bedürfnisse zurückzustellen.

Wie verläuft ein Burnout?

Es gibt verschiedene Modelle, die den Verlauf beschreiben. Manche nennen vier, andere bis zu zwölf Phasen. Mit den Diagnosekriterien für psychische Erkrankungen haben sie wenig gemeinsam. Bekannt ist das Modell von Herbert Freudenberger und Gail North mit zwölf Stufen.

Das 12-Phasen-Modell des Burnouts nach Herbert Freudenberger und Gail North

Burnout verläuft schleichend in Phasen

Trotz ihrer Unterschiede helfen die Phasenmodelle, Burnout zu verstehen. Sie zeigen gemeinsame Muster, an denen du erkennen kannst, wo du gerade stehst.

Symbolbild Burnout und Erschöpfung

Die sieben Stadien des Burnouts nach Burisch

Der Hamburger Psychologe Matthias Burisch hat aus zahlreichen Studien eine eigene Einteilung entwickelt. Danach entwickelt sich ein Burnout in sieben Phasen:

1. Überhöhter Energieeinsatz

Zu Beginn setzt sich die betroffene Person im Beruf oder Privatleben besonders stark ein. Die Motive sind verschieden: Pflichtgefühl, Idealismus, Ehrgeiz oder Perfektionismus. Dabei muss sie nicht einmal besonders lange arbeiten, die Tätigkeiten sind aber sehr kräftezehrend. Die Arbeit nimmt so viel Raum ein, dass sie auch die Freizeit beherrscht. Echte Erholung bleibt aus, erste Zeichen von Erschöpfung zeigen sich.

2. Reduziertes Engagement

Das Nachlassen der Kräfte führt zu Widerwillen gegenüber der Arbeit. Die anfängliche Begeisterung kippt in Überdruss. Die Person geht auf Distanz zu Menschen in ihrem Umfeld, arbeitet oft nur noch, um Geld zu verdienen, und spart ihre verbliebene Energie für die Freizeit auf.

3. Emotionale Reaktionen

Die Ernüchterung über diesen Wandel ist schmerzhaft. Viele reagieren gereizt oder verbittert und geben anderen die Schuld. Andere machen sich selbst Vorwürfe, ihr Leben in eine falsche Richtung gelenkt zu haben. Häufige Folgen sind aggressives Verhalten oder Gefühle von Hilflosigkeit und Selbstmitleid.

4. Abbau

Flüchtigkeitsfehler häufen sich, Konzentration und Gedächtnis lassen nach. Komplexere Aufgaben misslingen, Kreativität und Motivation schwinden. Das Denken wird einfacher und schwarz-weiss: gut oder böse, richtig oder falsch.

5. Verflachung

Die Gefühle werden schwächer, das Interesse an anderen Menschen nimmt ab. Hobbys werden vernachlässigt. Es entsteht ein Teufelskreis: Durch den Rückzug gehen auch Freunde auf Distanz, Einsamkeit und Sinnlosigkeit wachsen.

6. Psychosomatische Reaktionen

Jetzt treten verstärkt körperliche Beschwerden auf: häufige Infekte, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Muskelverspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen. Typische Stressreaktionen also. Manche greifen vermehrt zu Alkohol, Tabak oder Essen. Bei anhaltender Belastung steigt das Risiko für Magen-Darm-Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Spätestens hier gehören die Beschwerden in ärztliche Hände.

7. Verzweiflung

Immer öfter stellt sich das Gefühl ein, dem Geschehen hilflos ausgeliefert zu sein. Daraus kann eine dauerhafte Hoffnungslosigkeit werden, das Leben scheint seinen Sinn zu verlieren. Manche Betroffene haben Suizidgedanken. In dieser Phase entspricht der Zustand oft einer schweren Depression und braucht dringend professionelle Behandlung.

Wenn du an Suizid denkst: Du musst damit nicht allein bleiben. Die Dargebotene Hand, Telefon 143, ist rund um die Uhr anonym für dich da. Kinder und Jugendliche erreichen Pro Juventute unter 147. Im akuten Notfall wähle 144.

Kein Burnout gleicht dem anderen

Die Stadien helfen, den Verlauf eines Burnouts bei chronischem Stress zu erkennen. Sie müssen aber nicht streng nacheinander auftreten. Manche Betroffene durchlaufen die Phasen in anderer Reihenfolge, überspringen einzelne oder erleben mehrere gleichzeitig.

Symbolbild Leere und Hoffnungslosigkeit bei Burnout

Hilfe bei Burnout: wohin du dich wenden kannst

Je früher du Unterstützung holst, desto besser. Diese Stellen helfen weiter:

  • Deine Hausärztin oder dein Hausarzt: erste Abklärung, Krankschreibung wenn nötig, Überweisung an Psychiatrie oder Psychotherapie
  • Psychiaterinnen, Psychiater und psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für die Behandlung
  • Pro Mente Sana (promentesana.ch): Beratung zu psychischer Gesundheit, Beratungstelefon 0848 800 858
  • wie-gehts-dir.ch: Informationen und Tipps, wie du über psychische Belastungen sprechen kannst
  • Die Dargebotene Hand, Telefon 143: rund um die Uhr, anonym
  • Notfall: Telefon 144

Begleitend zur ärztlichen oder therapeutischen Behandlung erleben viele Menschen Yoga, Achtsamkeit und Meditation als hilfreich. Sie können helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und eigene Muster zu erkennen. Ein Ersatz für eine Therapie sind sie nicht.

„Sei perfekt!“ und „Sei beliebt!“: Muster erkennen

Viele Betroffene lernen in dieser Zeit, ihre eigenen, oft tief sitzenden und unbewussten Muster zu erkennen. Glaubenssätze wie „Sei perfekt“, „Sei beliebt“ oder „Anerkennung gibt es nur für Leistung“ werden sichtbar und können nach und nach angenommen und verändert werden.

Solange jemand diese prägenden Glaubenssätze nicht anerkennt, wird er immer wieder in dieselben Verhaltensmuster hineingezogen. Die Folge: Konflikte, viel Widerstand im Leben und der verzweifelte Versuch, mit noch mehr Energie die erhoffte Bestätigung zu bekommen.

Workshop zur Stressbewältigung während einer Auszeit

Lernen, sich selbst anzuerkennen

Anerkennung und Wertschätzung entstehen nicht aus immer mehr Arbeit und dem Versuch, es allen recht zu machen. Auf Dauer können sie nur aus uns selbst kommen.

„Ich bin gut, so wie ich bin.“

Aus einer Teilnehmerbefragung nach einer Auszeit mit Stefan Geisse

Dazu gehört, den eigenen Körper, die Gedanken und Gefühle aufmerksamer wahrzunehmen. Das wirkt wie ein Frühwarnsystem: Du merkst früher, wenn du wieder gegen deine Bedürfnisse lebst und in alte Muster rutschst.

Burnout vorbeugen mit Achtsamkeit

Das Konzept der Achtsamkeit kann helfen, Burnout vorzubeugen. Du übst dabei, Gedanken, Gefühle und Glaubenssätze wie „Ich muss perfekt sein“ oder „Ich muss stark sein“ zu bemerken. Das klingt einfach, ist im Alltag aber schwierig. Viele Handlungen laufen im Autopiloten ab, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen, geschweige denn hinterfragen.

Weitere Ansätze, wie du Stress im Alltag verringerst, bevor er chronisch wird, findest du im Artikel zur Stressbewältigung.

Ernährung und Lebensführung

Regelmässige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und ein Tagesrhythmus mit Pausen geben dem Körper Halt. Der Ayurveda hat schon vor langer Zeit Zustände von Auszehrung, Erschöpfung und Angst beschrieben und Empfehlungen zu Ernährung und Lebensführung gegeben. Diese können eine Behandlung ergänzen, sie aber nicht ersetzen.

Achtsamkeit und Meditation mit Stefan Geisse

Yoga und Meditation bei Erschöpfung

Atemübungen, Konzentrationsübungen und Meditation aus dem Yoga können helfen, den Geist zu beruhigen und die eigenen Sinne wieder bewusster wahrzunehmen. Viele erleben dabei Momente von Ruhe und Ankommen. Regelmässig geübt, kann das die Resilienz stärken, also die Fähigkeit, in schwierigen Situationen zu bestehen. Bei einem ausgeprägten Burnout ist es sinnvoll, mit sanften Übungen zu beginnen und das mit der behandelnden Fachperson abzusprechen.

Erschöpft, aber nachts wach: Online Kurs Besser schlafen

Viele Menschen mit Erschöpfung kennen das: Der Körper ist müde, aber der Schlaf bringt keine Erholung. Guter Schlaf ist eine wichtige Grundlage, um wieder zu Kräften zu kommen.

Im Online Kurs Besser schlafen verbinde ich das Wissen des Schlafmediziners Dr. med. Oliver Tanneberger mit Yoga, Meditation und Ayurveda. Bei einem Burnout ersetzt der Kurs keine Behandlung, er kann sie aber im Alltag begleiten.

Online Kurs Besser schlafen mit Stefan Geisse und dem Schlafmediziner Dr. med. Oliver Tanneberger
Schlafmedizin, Yoga, Meditation und Ayurveda in 7 Modulen: Online Kurs Besser schlafen

Auszeit vom Stress: wann sie hilft und wann nicht

Eine kurze Auszeit vom Stress kann helfen, Abstand zu gewinnen, zur Ruhe zu kommen und konkrete Schritte für einen anderen Lebensstil zu planen. Gerade vorbeugend, wenn du die ersten Warnzeichen bemerkst, kann schon ein Wochenende wie die Auszeit beim Kloster Engelberg einen Grundstein legen.

In meinen Teilnehmerbefragungen frage ich auch, warum jemand gekommen ist. Die Antworten klingen oft ähnlich: erschöpft sein und dringend Ruhe brauchen. Sich innerlich leer oder blockiert fühlen. Rausmüssen und die Perspektive wechseln. Entschleunigen, innehalten. Das sind die Warnzeichen, von denen dieser Artikel handelt, nur in eigenen Worten. Für genau diesen Moment ist ein Wochenende da: anhalten, bevor aus der Erschöpfung mehr wird, und mit ein paar konkreten Schritten nach Hause gehen.

„Wunderbare Auszeit mit neuer Motivation, etwas zum Positiven für mich zu ändern.“

Thomas, Teilnehmer einer Auszeit mit Stefan Geisse

Bist du dagegen schon über Wochen erschöpft, schläfst kaum noch, fühlst dich hoffnungslos oder kannst nicht mehr arbeiten, reicht eine Auszeit nicht. Dann ist der erste Schritt der Gang zur Hausärztin oder zum Hausarzt.

Stefan Geisse

Über den Autor

Stefan Geisse

Yogalehrer in der Tradition von T.K.V. Desikachar, Coach und Organisator des Yogafestivals Summer of Love. Er leitet Auszeiten beim Kloster Engelberg und Yoga Retreats im Berner Oberland. Vorher über 15 Jahre im Management internationaler Konzerne.

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  1. 2026
  2. 20-22Nov 20. bis 22. November 2026Auszeit Wochenende beim Kloster EngelbergEngelberg, Zentralschweiz · 3 Tageab CHF 569 inkl. 2 Nächte mit Vollpension
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  8. 28-30Mai 28. bis 30. Mai 2027Yoga Retreat SchweibenalpSchweibenalp ob Brienz, Berner Oberland · 3 TageEarly Bird CHF 329 bis 30.11.2026, danach CHF 379 (Seminargebühr)
  9. 25-27Juni 25. bis 27. Juni 2027Auszeit Wochenende beim Kloster EngelbergEngelberg, Zentralschweiz · 3 Tageab CHF 569 inkl. 2 Nächte mit Vollpension
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